Der Indian Sommer war kurz – der Winter wird länger

DSCF3327Rechtzeitig mit Beginn des  Monats Oktober hat sich der Winter in den Fjellregionen Norwegens wieder zurückgemeldet.

War  gestern noch die prächtige Herbstfärbung zu bewundern und zeigten sich erst wenige zarte weisse Flocken auf den Berggipfeln des Jotunheimen, so schneite es heute  recht ergiebig bis auf unter 1000m Meereshöhe. Nun beginnt wieder die Zeit,  in der die Pflanzen  in ihren Winterschlaf fallen, die Rentiere mühsam versuchen Nahrung zu finden und bei den Freunden der weissen Pracht es so langsam aber sicher wieder zu kribbeln anfängt – die erste Tour planen, Karten wälzen, Ausrüstung prüfen, Ski kontrollieren.

Der Wind pfeift über die Hochebene Valdresflya, Eiskristalle haben sich an den Wegmarkierungen bereits festgekrallt. Das Gefühl von unendlicher Weite packt einen hier oben wieder, auf fast 1400 m Meershöhe, die Berge zum Greifen Nahe, so weit das Auge reicht – nichts weiter als Natur und Wildnis – keine  Ortschaft in nächster Nähe.

Abgesehen von ein paar Touristhütten, trifft man erst im Norden nach 70 km und im Süden nach 20 km Entfernung wieder auf erste Zeichen von wirklicher Zivisilation.  Wer dieses  Gefühl hier oben einmal erleben möchte, um sprichwörtlich darüber zu schweben, sollte seine 7 Sachen packen und hier hoch reisen, solange die Valdresflya noch geöffnet ist. Denn den Winter über ist dieser Pass zwischen dem Valdres und dem Sjodalen  gewöhnlich immer ab dem 10. Dezember für den Autoverkehr wintergesperrt (auf norw. vinterstengt!) Erst ab Mitte/Ende April wird die Strecke wieder geöffnet, nachdem gewaltige Schneefräsen die Strasse aus den teilweise bis zu 4 Meter dicken Schneemassen freigelegt haben. Dann strömen die Menschen wieder von beiden Seiten der Flya hoch auf deren höchsten Punkt, um hier Ski zu laufen, Ski-Kiting zu betreiben ( sich mit Gleitschirm und Ski über den Schnee ziehen zulassen) oder einfach um den ganz besonderen Zauber dieser Hochebene  zu geniessen. Sofern das Wetter es zulässt, kann man diese Strecke im Winter natürlich auch komplett per Ski erkunden.

Für Ski-Tourengeher bietet sich ab hier eine ganz besonders fantastische Skitour an. Direkt gegenüber, der auf 1389 m höchst gelegenen Jugendherberge Norwegens, streckt sich nach Westen der südlichste 2000er Höhenzug Norwegens. Die Kalvehøgdi ist die nördliche Begrenzung des 30 km langen Bygdinsees und eine, für  Wanderer wie Skitourengeher zugleich, äusserst aussichtsreiche Hochgebirgstraverse.  Sie setzt sich aus mehreren aneinandergereihten Gipfeln zusammen, kann über eine Strecke von 7km in über 2000m Höhe begangen werden und gipfelt mit 2.208 m in der Vestre Kalvehødgi als ihrem höchsten Punkt. Dabei kann man dramatische Aussichten geniessen, vor allem gen Norden mehrere Hundert Meter tief hinab über den Gletscher Leirungsbreen ins fantastische Leirungsdalen und weiter auf die Gjendealpen, die mit der 2341 m hohen Zinne des Store Knutsholstind ihre Krönung hier finden.  Auch dort sind einige sehr lohnenswerte Touren möglich.

Man sollte aber stets Vorsicht walten lassen,  da die Abbruchkanten des gesamten Höhenzuges komplett ungesichert und somit frei zugänglich sind. Ausserdem sollte hier ungeachtet, ob im Sommer oder Winter, eine komplette Ausrüstung für Hochgebirgstouren im Gepäck nicht fehlen, da bedingt durch die Gletscher zu beiden Seiten, jederzeit kalte, starke Winde und auch Schneefall auftreten können.  Jahreszeitenbedingt können  Steigeisen teilweise  ganz nützlich sein.

Über die jeweiligen Wetterbedingungen kann man sich bestens in o.g. Jugendherberge informieren. Die Wirtin ist bestens lokalkundig und kann nach jeder Tour mit warmer Schokolade und frischen Waffeln mit Rømme aufwarten.

In der Rubrik Bilder-Jotunheimen findet ihr einige Fotos zu einer Skitour auf die Kalvehøgdi im April 2009, sowie  einer Trekkingtour ins Leirungsdalen im Juli 2008.

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