• Andreas Laue

Sunnmørsalpene - Das Gebirge im Nordmeer



Sunnmøre – eine magische Landschaft an der Westküste Norwegens gelegen, geprägt von spektakulären Berggipfeln und einer dramatischen Küsten- und Fjordlandschaft.


Die norwegischen Fjorde wurden 2009 vom Reisemagazin National Geographic zum schönsten

Reiseziel der Welt gekürt. Nirgends sonst liegen Fjorde, Meer, Berge und Gletscher so dicht

zusammen wie in der Region Ålesund, Nordfjord und Geirangerfjord.

Die Region Sunnmøre ist der südliche Teil der Fylke Møre og Romsdal. Ihr gehören heutzutage 13 Kommunen mit insgesamt rund 148.250 Einwohnern (2020) an. Die Landschaft ist stark geprägt von vielen kleinen und größeren Inseln entlang der Küste, mehreren langen und schmalen Fjorden, die weit ins Land hineinreichen und einer vielfältigen Bergwelt zwischen Fjorden und Tälern.

Zu beiden Seiten des Hjørundfjords gelegen, erstrecken sich hier die gewaltigen Sunnmørsalpen.

Neben der Jugendstilstadt Ålesund und dem Gemeindezentrum Ørsta/Volda, sind die kleinen Dörfer entlang der Fjorde perfekte Ausgangspunkte für eine Vielzahl von Wanderungen, Kajaktouren und anderen Outdooraktivitäten.



Ålesund wurde 1904 von einem verheerenden Brand heimgesucht, der durch eine umgefallene Lampe in einer damaligen Margarinefabrik ausgelöst wurde und innerhalb weniger Stunden, durch einen orkanartigen Wind zusätzlich begünstigt, ca. 850 Holzhäuser vernichtete und damit rund 12.000 Menschen obdachlos machte.


Glücklicherweise kam nur ein einziger Bewohner bei dem Stadtbrand ums Leben.

Der damals amtierende deutsche Kaiser Wilhelm II. war zu dieser Zeit ein großer Freund und steter Gast Norwegens. Viele Jahre lang besuchte er mit seiner Yacht „ Hohenzollern" die Fjordregionen. War der Kaiser zu Besuch in Norwegen, waren die Kreuzfahrtschiffe ausgebucht. Seine Anwesenheit war tatsächlich ein Motor des beginnenden Tourismus in Norwegen.

Als er von dem Unglück erfuhr, organisierte er einen Hilfskonvoi, bestehend aus vier Kriegsschiffen, voll beladen mit Lebensmitteln, Baumaterial, Medizin und sogar Ärzten und einem Hospital, die bereits drei Tage nach dem Brand, am 26. Januar 1904 in Ålesund eintrafen.

Nach dem Entladen dienten die leeren Schiffe den obdachlosen Bürgern von Ålesund vorübergehend als Notunterkunft bei Temperaturen bis minus 20 °C.



Diese Geste hat man dem deutschen Kaiser bis heute nicht vergessen und ihm schon frühzeitig zwei Denkmäler in Ålesund für seine großzügige Hilfe gesetzt. Am Fusse des Stadtberges Aksla befindet sich seit 1910 ein sieben Meter hoher Granit-Obelisk, der an ihn erinnert und außerdem eine Strasse, die Keiser Wilhelm gate, die bis heute seinen Namen trägt.


Innerhalb von drei Jahren wurde das Stadtzentrum wieder komplett aufgebaut. Es waren norwegische Architekten, die vielfach ihr Studium in Deutschland absolviert hatten und einen Beschluss, die Stadt nicht mehr in Holz, sondern in Stein aufzubauen, in die Tat umsetzten. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend, wurden die Häuser im Jugendstil errichtet und somit entwickelte sich Ålesund zu einer der schönsten Städte Norwegens bis in die heutige Zeit. Spaziert man heute durch das Zentrum, kann man sehr viele im Jugendstil erbaute Häuser an ihren symmetrischen Mustern und floralen Elementen erkennen. Außerdem tragen sehr viele Häuser die Jahreszahlen ihrer Erbauung zwischen 1904 und 1907 an ihren Giebeln.

Der Stadtberg Aksla mit seinem Aussichtspunkt Fjellstua auf 130 m Höhe, ist eine der größten Attraktionen von Ålesund und kann über einen spektakulären Treppenweg mit 418 Stufen erklommen werden, ist aber auch per Strasse erreichbar. Von hier aus hat man einen umwerfenden Blick auf das Stadtzentrum, die umgebende Inselwelt und die Sunnmørsalpen im Hintergrund. Das Sunnmøre-Museum, das Fischereimuseum, das Jugendstil-Zentrum sowie der Atlantikpark mit Nordeuropas größtem Aquarium sind zusätzlich sehr lohnenswerte Ziele bei einem Besuch in Ålesund.



Die Sunnmørsalpen, südlich von Ålesund gelegen, sind ein Eldorado für alle Berg-, Ski- und Kletter-Enthusiasten. Eine der eigenwilligsten und majestätischsten Gegenden, die Norwegen zu bieten hat.


Die Eismassen von damals waren in der hiesigen Region bis zu 1.300 m dick und hatten wahre Kunstarbeit an der Natur geleistet. Alles an Gestein bis zu dieser Höhe wurde bearbeitet, abgerundet und glatt geschliffen, alles was oben als Nunatak herausschaute, wurde durch Wind, Wasser und Erosion weiter bearbeitet und zeigt sich bis heute in fantastischen Formen von scharfkantigen Zinnen und Zacken bis zu Türmen und Felsnadeln, die jeden von uns zu eigenen Inspirationen und Träumereien verführen. Die Trolle scheinen nicht weit entfernt zu sein.

Hier kann man die schönsten Sommer- und Herbstwanderungen in fruchtbare Täler unternehmen oder auf verschiedene imposante Berge steigen, die bis zu 1.717 Metern direkt aus den Fjorden

emporragen und vom Gipfel überwältigende Ausblicke genießen oder im Winter fantastische Skitouren in unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrad unternehmen.

Slogen, Jakta, Skårasalen, Smørskredtindane oder Kolåstind sind nur einige von vielen namhaften Gipfeln der Region. Die idyllisch am Hjørundfjord gelegenen Dörfer Sæbø, Urke, Standal und Trandal bieten neben verschiedenen Unterkünften wie Hotels, Campingplätzen, Privathütten und -zimmer, auch Gastronomie und Geschäfte für den täglichen Bedarf, sowie Fährverbindungen zwischen den einzelnen Ortschaften.

Reist man von Ålesund oder Ørsta/Volda kommend nach Sæbø, so findet man sich mitten in eine alpine Szenerie hinein versetzt, der man sich nur schwerlich entziehen kann, ob der pittoresken Landschaft, den stilvollen Holzhäusern oder dem wunderschönen Gefühl, man sei gerade Komparse in einem stattfindenden Dreh zu einem neuen norwegischen Heimatfilm. Der Campingplatz Bondalselva mit Stellplätzen für Wohnmobile und verschieden großen Miethütten, direkt am lachsreichen Fluss gelegen, ist ein hervorragender Ausgangspunkt für Touren in die umliegende Bergwelt.



Mit der Fähre nach Lekneset übergesetzt, in Gedanken noch völlig mit der Frage beschäftigt, wie hoch dieser gewaltig erscheinende Berg wohl sein könnte, der sich ziemlich genau am inneren Abzweig des Norangsfjordes wie ein mächtiger Thron gen Himmel emporreckt, ist man schon wieder an Land und befindet sich nach wenigen Minuten Fahrt im nächsten Märchen.


Anders kann man es nicht bezeichnen, wenn man im Dörfchen Urke mit seinen derzeit knapp 50 Einwohnern angekommen ist. Man meint sich in einer anderen Welt - ein unbeschreibliches Hochgefühl von Freude, Freiheit, tiefem Durchatmen, aber auch Demut vor der gewaltigen Kulisse der Hochgebirgsriesen, die hier scheinbar Schlange stehen, um dir zu imponieren.

Für uns, die wir schon des öfteren hier zu Gast waren, mit Abstand einer der schönsten und atemberaubendsten Orte in ganz Norwegen.



Ein kleines Wasserkraftwerk, eine Gärtnerei, welche Gurken und Tomaten züchtet, einen Landhandel, Campingplatz, das kleine Cafè Kaihus und viele, viele Obstbäume und -sträucher nennen die Bewohner ihr eigen und führen damit hier wohl ein ganz einträgliches und zufriedenes Leben in einer einmalig schönen Lage direkt am Fjord mitten in den Bergen.

Fährt man weiter am Fjordufer entlang, durch Lawinentunnel, die die Strasse und einen selbst vor etwaigen Lawinenabgängen von den gewaltigen Bergwänden, die sich direkt links neben uns entlangziehen, schützen sollen, erreicht man nach knapp 6 Km, am Ende des Norangsfjords gelegen, das Dorf Øye mit dem weltberühmten Hotel Union Øye - ein historisches Hotel mit über 100-jähriger Tradition, bis heute bestens bewahrt und in original Zustand.


Der Berg Slogen (1.564 m) als prächtige Hintergrundkulisse, wird wegen seiner bestechenden Pyramidenform und der spektakulären Aussicht vom Gipfel, auch als „die Königin von Sunnmøre" bezeichnet. Eine Tour hinauf zählt zu den großen Klassikern in Norwegen.



Tritt man in die Hotellobby ein, fühlt man sich schlagartig 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Die Zimmer sind mit den Namensschildern ihrer einst berühmten Gäste versehen und können gern besichtigt werden, sofern sie nicht gerade belegt sind.


Neben dem deutschen Kaiser Wilhelm II., waren hier u. a. auch die Schriftsteller Karen Blixen und Sir Arthur Conan Doyle, wie auch der norwegische Polarforscher Roald Amundsen oder der Komponist Edvard Grieg zu Gast.

Unbedingt einen Besuch wert!

Die Fahrt von Øye weiter durchs Norangsdalen nimmt an Spannung und Dramatik förmlich im Sekundentakt zu. Über 120 Jahre ist es her, dass norwegische, englische und deutsche Tourist-Schiffe erstmals in den Norangsfjord kamen.

Pferdefuhrwerke brachten so manche namhafte Person über den alten Fahrweg von Øye nach

Hellesylt durch das Tal. 1993 erhielt das Tal den Beinamen „Dronningruta“ – die Königinnenroute.

Das Tal mit seinem teils schluchtartigen Charakter gilt als eines der schönsten und schmalsten Täler Norwegens.


Am See Lygnstøylvatnet angekommen, sollte man unbedingt einen Stopp einlegen, die schöne Landschaft und die frische Bergluft genießen und sich mit der besonderen Geschichte dieses Ortes vertraut machen.

Der See bildete sich, nachdem im Jahr 1908 eine gewaltige Steinlawine vom Berg Keipen hinabstürzte und den Talboden mit den Steinmassen auffüllte. Diese stauten den durch das Tal fließenden Bach Lygna in den nachfolgenden Tagen mehr und mehr auf und so entstand ein See, der mehrere Häuser der Höfe Norang und Skylstad, die durch die vorangegangene Flut zerstört wurden, sprichwörtlich im Wasser versinken ließ. Noch heute sind Reste der alten Straße, von Gebäuden und Umzäunungen im kristallklaren Wasser zu erkennen. Der See gilt heute als Kulturerbe und ist ein beliebtes Ziel von Tauchern aus dem In- und Ausland.


Kommt man schließlich an der Straße Fv 60 an und biegt nach links in nordöstliche Richtung ab, so kommt man nach wenigen Kilometern in das Örtchen Hellesylt, mit etwa 680 Einwohnern idyllisch am Beginn des Sunnylvsfjorden gelegen. Von hier aus kann man die tägliche Autofährverbindung nutzen, um durch den weltberühmten Geirangerfjord, seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörend, bis zum Dorf Geiranger zu gelangen. Hierzu mehr in einem anderen zukünftigen Beitrag.



Nimmt man aus dem Norangsdalen kommend, den Abzweig nach rechts und fährt von der FV 60 später auf die E39, so erreicht man nach rund 1 Stunde Fahrzeit das wunderschön gelegene Dörfchen Bjørkedal. Dieses befindet sich unweit vom Ort Nordfjordeid und ganz in der Nähe des Hornindalsvatnet, dem mit 514 m tiefsten Binnensee Europas.


Bjørkedal ist in ganz Norwegen berühmt für seine Jahrhunderte alte Tradition im Holz-Bootsbau und das schon seit der Wikingerzeit.


Neben den traditionellen Sunnmørsbooten wurden hier auch Nachbauten der Wikingerschiffe Oseberg und Gokstad gefertigt. (die Originale findet man im Vikingskipmuseum in Oslo) Außerdem wurde hier der Saga Siglar (Saga Segler) gebaut, mit der der norwegische Abenteurer Ragnar Thorseth von 1983-1986 erfolgreich eine Weltumseglung unternahm. Es war eine Replik des Wikingerschiffes Skudelev I, welches um das Jahr 1000 von den Wikingern als Lastensegler genutzt wurde. Wenn man Glück hat, kann man den Bootsbauern beim Bau eines neuen Bootes direkt über die Schultern schauen oder eine Tour auf einem der hier gebauten Wikingerschiffe auf dem See Bjørkedalsvatn unternehmen. Auch ein kleines Bootsmuseum kann im Ort besichtigt werden.



Ein Besuch der märchenhaft schönen Alm Laurdalssætra, nur wenige Kilometer von Bjørkedal entfernt, am Fuße des beeindruckenden Gipfels des Lisje Toren gelegen, lässt den Glauben an Trolle, Hexen und andere nordische Fabelwesen schnell wieder wach werden.


Die Almhütten stammen aus dem 17. Jahrhundert, sind in Privatbesitz und werden liebevoll gepflegt und erhalten. Als wir hier verweilten, fühlten wir uns sofort wie Hänsel und Gretel, die Hexe musste irgendwo um die Ecke sein.

Auch von hier aus kann man großartige Wanderungen in die umliegenden Berge unternehmen und, gute Wetterbedingungen natürlich immer vorausgesetzt, unbeschreibliche Aussichten genießen.


Also, wer sich bei seinem nächsten Norwegen-Besuch einmal komplett verzaubern lassen möchte, sei es durch eine Landschaft voller Magie und Schönheit oder ein unglaubliches Farbenspiel der Elemente, vielleicht ja auch durch einen der Trolle, die die Bergwelt hier unsicher machen - dann sollte die Region Sunnmøre ganz oben auf deiner Wunschliste stehen.


Ernsthaft! Sunnmøre - Ein Erlebnis für die Ewigkeit!


God tur.




Fotogalerie

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Karte



Fakten und Zahlen


Lage: Region Sunnmøre, Fylke Møre og Romsdal

Hauptorte: Ålesund (ca. 50.000 Einw.), Ørsta, Volda

Fjordregion: Storfjorden, Hjørundfjorden, Geirangerfjorden

Gebirgsregion: Sunnmørsalpene, höchster Gipfel Kvitegga, 1.717 m




Anreisemöglichkeiten

Mit dem Auto


  • Oslo - Ålesund, 546 Km, 7,5 h

  • Bergen - Ålesund, 422 Km, 7,5 h

  • Kristiansand - Ålesund, 865 Km, 11 h

  • Ålesund - Sæbø, 85 Km, 1 h 45

  • Ålesund - Nordfjordeid, 108 Km, 2 h 30

Mit dem Flugzeug


  • Oslo - Ålesund, SAS, Norwegian

  • Oslo - Ørsta/Volda, Widerøe

  • Bergen - Ålesund, SAS, Widerøe

  • Bergen - Ørsta/Volda, Widerø

  • Amsterdam-Ålesund, KLM

Mit dem Schiff


  • Hurtigruten, täglicher Anlauf in Ålesund

  • Fähren und Expressboote, Lokalverkehr zwischen den Gemeinden

Links





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