• Andreas Laue

Nordische Tourenski / Telemarkski




Geschichte

Skier sind in Norwegen seit mehreren tausend Jahren im Gebrauch. In Alstahaug in der Region Nordland finden wir Felszeichnungen, „Rødøymannen" genannt, aus der Steinzeit, als Beweise für die Anwendung von Skiern vor ca. 4.000 Jahren. Das Wort "Ski" entstammt dem altnorwegischen Wort "Skid", welches übersetzt "gespaltenes Holzstück" bedeutet.


In der Wikingerzeit war der Skilauf allgemein verbreitet. Skier waren nützliche Transportmittel bei der Jagd oder in kriegerischen Aktionen. Aus der Geschichte kennt man auch Krieger auf Skiern. Eine der bekanntesten Begebenheiten der Norwegischen Skigeschichte ist jene Tat, die die Birkebeiner vollbrachten. Die Birkebeiner waren königstreue Männer, welche sich Birkenrinde als gamaschenähnlichen Schutz um die Beine wickelten. Sie fuhren auf Skiern mit dem Königssohn von Lillehammer aus über das Gebirge nach Østerdalen. Dies geschah im Jahre 1206. Für die armen Bauern waren Skier das einzige Transportmittel im Winter.



Entwicklung

In der Region Telemark entwickelte sich mit der Zeit eine Vorliebe für Skiwettkämpfe. Abgesehen von der Notwendigkeit als Transportmittel wurden sie nun auch mehr und mehr in der Freizeit benutzt. Mit schneereichen Wintern und steilen Hängen herrschten dort gute Bedingungen für das Skilaufen. Um 1850 entwickelte Sondre Norheim Skibindungen welche es ermöglichten mit den Skiern zu schwingen, zu laufen und zu springen. Die Wiege des modernen Skisports steht im kleinen, idyllischen Ort Morgedal in Telemark. Sondre Norheim entwickelte weiterführend neben den Skibindungen eine Skiform, welche auch heute noch den Namen „Telemarkski" trägt. Es handelte sich um leichte taillierte Kiefernski, d.h. mit geschwungenen Seiten, Richtung Skispitze und Skiende breiter und etwas schmaler in der Mitte.


Dies bewirkte, dass man dadurch viel leichter schwingen konnte - der Vorläufer des heutigen Slalom- und Carvingskis war geboren. Das meist nachgefragte Rohmaterial für Skier waren damals alte Kiefernstämme, welche in Mooren eingewachsen lagen. Es handelte sich dabei um vollständig "totes" Holz. Es waren keine Spurrillen in den Skiern, diese bildeten sich nach kurzem Gebrauch durch die Jahresringe im Holz.


Die früheren Bindungen bestanden aus einem Zehenband aus Leder oder Weide oder aus einem Weidenband das halbwegs unter den Fuß reichte.

Sondre Norheim nahm die steife Fersenbindung in Gebrauch. Damit erreichte er eine bessere Steuerung der Ski. Zu dieser Zeit bezeichneten die Leute es als reinen Wahnsinn, die Füße auf die Skier zu binden und damit Berghänge hinunterzufahren. Die neue Ausrüstung trug dazu bei, den Freizeitskilauf und Skispiele voranzutreiben und entwickelte sich später zur Basis des modernen Skisports. Die Entwicklung der Telemarkski bewirkte den Übergang vom reinen Transportmittel zum Volkssport.


Auswahl heute

Auf dem Markt findet man heute eine fast unüberschaubare Auswahl an Ski und Materialien. Die klassischen Fjell-Telemarkski oder Nordische Tourenski auch genannt, gibt es heutzutage immer noch mit integriertem Holzkern als Wachs- und Schuppenski-Variante sowie auch mit Stahlkanten.

Auf Touren abseits gespurter Loipen, sollte man auf Schuppen und Stahlkanten nicht verzichten.

Gute Schuppenski ersparen bei nicht allzu steilen Anstiegen das Auf- und Abziehen von Steigfellen, die Stahlkanten ermöglichen ein sicheres Abfahren, besonders wenn man eine Pulka im Gespann hat, sowie ein besseres Traversieren auf überfrorenen Hängen.

Mit Wachsski gleitet man deutlich besser und die Ski laufen leiser im Schnee. Aber hier scheiden sich, wie sollte es auch anders sein, oft die Geister. Viele scheuen heutzutage das Wachsen, andere verfluchen oder schauen leicht spöttisch wiederum auf die Wachsverfechter.


Bei den Skibindungen für nordische Fjellski gibt es zwei verschiedene Systeme, die den heutigen Weltmarkt abdecken, das NNN - BC (NewNordicNorm) System von Rottefella aus Norwegen und das SNS-BC (SalomonNordicSystem) von Salomon aus Frankreich.

Das BC steht jeweils für Backcountry und stellt die verstärkte Ausführung der klassischen Langlaufbindungsysteme dar. Die dazu passenden Schuhe sind mit stärkeren Stiften unter der Schuhspitze zur Aufnahme in der Bindung ausgestattet. Obwohl sich beide Bindungsysteme auf den ersten Blick sehr ähneln, sind sie nicht kompatibel miteinander. Außerdem gibt es beide BC-Ausführungen noch in einer Automatic- und in einer manuellen Variante. Für längere Skitouren und Expeditionen, die weit abseits der Zivilisation stattfinden, ist generell die manuelle Variante vorzuziehen, da man hier den Verschluss zwischen Bindung und Schuh mechanisch per Hand verriegelt und somit keine oder kaum Komplikationen unterwegs entstehen sollten.


Bei längeren Steilaufstiegen ist das Aufziehen von Steigfellen unentbehrlich. Diese gibt es in verschiedenen Varianten aus Synthetik, Mohair und einem Synthetik/Mohair-Mix und sind je nach Skityp ab 50 mm Breite aufwärts erhältlich. Mohairfelle aus 100% Ziegenhaar haben einen längeren Floor und sind bestens für kalte und trockene nordische Winterverhältnisse geeignet, während Synthetikfelle oder die Mixvarianten eher für wechselhafte und feuchte Schneeverhältnisse zu empfehlen sind.


Egal was für ein Skityp, welchen Schuh und welche Bindung man am Ende bevorzugt, man muss für sich die passende Ausrüstung finden und dann zählt einzig und allein das Erlebnis, in der Natur damit unterwegs zu sein.




God tur!

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