• Andreas Laue

God Pinse - Pfingsten in Norwegen oder (Sonnen)Baden und Skilaufen an einem Tag.

Aktualisiert: Juli 17




Die Pfingsttage sind wie bei uns in Deutschland und anderswo, auch in Norwegen beliebte Feiertage. Viele Norweger verbringen sie gemeinsam mit der Familie oder Freunden auf ihrer Ferienhütte am Fjord, im Gebirge oder an der See. Andere wiederum gehen auf Tour und übernachten in einer der zahlreichen Hütten des norwegischen Bergwandervereins DNT.


Angekommen, wird das hyttekos zelebriert, ein urnorwegisches Gemeinschaftsgefühl von Rückzug, Entschleunigung und Gemütlichkeit auf der eigenen Hütte, um so älter und traditioneller sie ist, desto besser.

Die einfachen Dinge zählen hier dann, wie das gemütliche Beisammensein mit der Familie und Freunden, ein gutes Essen zubereiten und ein neues spannendes Buch lesen, wandern gehen, mit den Kindern draußen spielen und abends am knisternden Kamin noch eine Runde Karten spielen.

Vielleicht auch ein wenig hier und da an den eigenen vier Wänden basteln

oder auch noch anderen Dingen nachgehen...dazu später mehr.



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In diesem Jahr, bedingt durch die Corona-Krise, werden die mit ihr verbundenen Einschränkungen, durch uns Menschen unterschiedlich wahrgenommen und sich auch länger einprägen, denn es ist ja wie so oft im Leben, wenn man einmal lieb gewonnene Dinge und Gewohnheiten sein Eigen nennt, kann man nur schwer von ihnen lassen.

So ist es auch bei den Norwegern mit ihren Hütten - durften sie doch diese während der diesjährigen Osterfeiertage erstmals nicht besuchen. (Grund war, bei eventueller Erkrankung, die dann zusätzliche Belastung der kommunalen medizinischen Versorgung durch Feriengäste und die schwierigere Erreichbarkeit vieler Hütten während der Winterzeit)


Aktuell hat die norwegische Regierung ihre Grenzen noch nicht wieder geöffnet und der offizielle Rat an die eigenen Landsleute lautet, bis zum 20. August weiterhin Abstand von nicht dringend notwendigen Auslandsreisen zu nehmen.

Dies wird bedeuten, dass viel mehr Norweger als sonst üblich, diesen Sommer im eigenen Land verbringen werden. Etliche von ihnen werden dann auch erstmals einen Teil Neuland im eigenen Land bereisen, denn auf Grund der oftmals langen Distanzen innerhalb Norwegens haben viele Südnorweger bisher kaum oder noch nie Nordnorwegen besucht und genauso umgekehrt. Es werden also sicherlich viele neue Geschichten geschrieben, neue Erfahrungen und Eindrücke gewonnen werden.


Nun, dieses Pfingsten herrscht die kommenden Tage über knallvær in großen Teilen Norwegens, dass bedeutet - hervorragendes sonniges Wetter und es ist sommerlich sehr warm dazu.

Oslo, Bergen und andere Regionen erwarten Temperaturen von bis zu 28° C.

Die Menschen werden raus an die frische Luft gehen, die Sonne und das schöne Wetter genießen.

In den großen Städten sind die Cafès und Biergärten, wenn auch mit den notwendigen Einschränkungen, wieder geöffnet und beim Ausflug an die Küste und die Fjorde ist auf jeden Fall schon die Badebekleidung dabei, selbst wenn die Wassertemperaturen in den meisten Fällen wohl noch unter +10°C liegen dürften. Aber da helfen die Gene aus der Wikingerzeit garantiert.


Diejenigen aber, die jetzt über die Feiertage auf ihre Hütten in die Berge gereist sind, werden vielerorts noch beste Schneeverhältnisse vorfinden und fantastische Touren auf Langlaufski oder Tourenski unternehmen können.

Erst den Rucksack gefüllt mit einer Thermosflasche heißem Tee oder Kakao sowie Broten, Apfelsinen und den typischen Kvikk lunsj Schokoriegeln, geht es damit auf Tour über scheinbar endlos weite Hochebenen oder einen Berggipfel hinauf, um danach in eleganten Schwüngen hinab ins Tal oder dem Nordmeer entgegen zu gleiten. Nicht zu vergessen, Sonnencreme, Sonnenbrille und die obligatorische kleine Norwegenflagge, die am Rucksack befestigt, im Wind flattert und die Liebe und Verbundenheit zum Heimatland Norwegen symbolisiert.

Sehr beliebt zu Pfingsten sind auch Skitouren auf die beiden höchsten Berge des Landes, dem Galdhøpiggen und dem Glittertind oder auch auf den Gipfel des Hardangerjøkulen, mit 78 km² der sechstgrößte Gletscher Norwegens. Außerdem gibt es tausende Kilometer gespurter Loipen solange es die Wetterbedingungen zulassen.

In diesem Winter hat es in etlichen Regionen Norwegens wahre Rekordschneemengen gegeben, die laut Statistik die wohl ergiebigsten seit 1958 waren.



Viele Passstraßen sind von Nov./Dez. bis in den April/Mai hinein generell für den Verkehr gesperrt. Nun haben die Räumfahrzeuge in den letzten Wochen die meisten Straßen und Pässe vom Schnee befreit, einige müssen aber weiterhin auf ihre Wiedereröffnung warten.

In den Höhenlagen Süd- und Nord-Norwegens sind derzeit noch Schneemassen von mehreren Metern Höhe verzeichnet und Straßen schlängeln sich teilweise durch bis zu 5-10 Meter hohe Schneewände. Besteht dort vielerorts zudem aktuell eine erhöhte Gefahr für Lawinenabgänge, so wird in anderen Regionen die steigende Hochwassergefahr durch eintretende Schneeschmelze und die schnell steigenden Temperaturen zum Problem.


Allgemein reagieren die Norweger auf solche Situationen eher unaufgeregt und agieren recht pragmatisch und entschlossen - weniger darüber reden und einfach anpacken und tun.

Sie haben für solche Momente oft auch treffende Redewendungen parat, wie det „ordner seg" (das wird schon, geht in Ordnung) und „ta det med ro" (nimm es, mach es in Ruhe) oder auch „ting tar tid" (die Dinge brauchen seine Zeit). Vielleicht sind es auch diese kleinen Dinge im Alltag und des Umgangs miteinander, die am Norden so faszinieren.


Foto:Vegen frå Jondal til Folgefonna, Fotograf: Andreas Skogseth


In diesem Sinne, allen

God pinse - Frohe Pfingsten!

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