• Andreas Laue

Norwegen - Vorreiter der Grünen Energiewende



Norwegen hat das Glück mehrfach auf seiner Seite - eine Vielzahl an Naturattraktionen, welche Touristen aus aller Welt besuchen, immer noch reichliche Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Nordsee und im Atlantik, was das Land zu einem der größten Produzenten in Europa und zudem zu einer der wohlhabendsten Nationen der Welt gemacht hat.

Die geologische Struktur des Landes und vor allem die reichlichen Niederschläge, zahlreichen Gewässer und Gletscher führen dazu, dass Norwegen seinen Strom heutzutage zu ca. 98% aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt, davon sind ca. 94% aus eigener Wasserkraft, Windkraft (3,6%) und thermische Kraftwerke (3%)

Da nur wenige Länder auf unserer Erde über solch eine Menge an natürlichen Ressourcen verfügen und diese zum Wohle der eigenen Gesellschaft versuchen einzusetzen, kann man Norwegen durchaus als Vorreiter der Grünen Energiewende bezeichnen. Denn man hat sich ehrgeizige Ziele im hohen Norden gesetzt.


Norwegen hat sich verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 50 bis 55 Prozent zu senken.


“Damit die Welt die Ziele erreichen kann, die wir im Pariser Abkommen festgelegt haben, müssen wir CO2 in großem Umfang abfangen und speichern. Nicht alle Emissionen können durch den Einsatz erneuerbarer Energien gesenkt werden. In verschiedenen industriellen Prozessen wie der Zementherstellung ist die CO2-Abscheidung und -Speicherung die einzige Technologie, mit der Emissionen gesenkt werden können. Damit schafft Norwegen Klimalösungen für die Zukunft”,

sagt der Minister für Klima und Umwelt Sveinung Rotevatn.


Das Land weiß um die Endlichkeit seiner Öl- und Gasreserven und dass deren Förderung eigentlich im krassen Gegensatz zu den gesteckten Klimazielen steht und mittlerweile auch zu teils kontroversen Diskussionen in Norwegen selbst führt. Der Bedarf an diesen Rohstoffen ist immer noch sehr hoch und nicht von heute auf morgen auswechselbar. Norwegen legt die erzielten Erlöse aus seinen gesamten Öl- und Gasexporten komplett im Statens Pensjonsfond an.

Das Königreich besitzt als eines der wenigen Länder der Welt einen eigenen Staatsfonds. Dieser wurde 2006 gegründet und gilt heute mit einem Gesamtvolumen von über 1 Billion USD als der größte Staatsfonds der Welt. Er soll den Wohlstand künftiger Generationen in Norwegen sichern.

Mit dieser finanziellen Solidität im Rücken beschreitet der norwegische Staat das Projekt der Grünen Energiewende mit großen Schritten und setzt es seit einigen Jahren in verschiedenen Bereichen auch schon vielfach erfolgversprechend um.



Hier einige aktuelle Bespiele:



Elektromobilität ÖPNV und Individualverkehr



Im Jahr 2019 konnte sich die norwegische Hauptstadt Oslo mit dem Titel „Grüne Hauptstadt Europas" schmücken - und das mit Recht, denn zwei Drittel des Hauptstadtgebietes bestehen aus Wald.

Der Stadtrat hat sich hohe Ziele gesteckt, in Oslo sollen bis zum Jahr 2030 die CO2-Emissionen gegenüber dem Jahr 1990 um 95% gesenkt werden.

Der öffentliche Personen- und Nahverkehr wird radikal umgestaltet zugunsten einer höheren Lebensqualität der Bevölkerung.


Oslo setzt konsequent auf die elektrifizierte Verkehrswende und wird mittlerweile als Welthauptstadt der E-Mobilität bezeichnet.


Busse und Tram haben Vorfahrt, das U-Bahn- und Straßenbahnnetz wird modernisiert und erweitert. Bis Ende 2024 bekommt Oslo 87 neue Straßenbahnzüge vom Spanischen Hersteller CAF geliefert, ein neuer zusätzlicher U-Bahntunnel unter dem Zentrum der Hauptstadt ist in Planung, neue Rad- und Fußwege werden errichtet.

Die städtische Busflotte wird mehr und mehr auf E-Busse umgestellt, derzeit verkehren bereits über 200 elektrisch betriebene Busse im Großraum Oslo, zudem auch mit Biogas und mit Wasserstoff betriebene Busse.

Der öffentliche Nahverkehr beträgt mittlerweile 50% am gesamten Stadtverkehr von Oslo, erzeugt aber nur 4% der gesamten Emissionen.

Stand 31. Dezember 2020 waren allein nur in Oslo schon über 45.000 rein elektrisch betriebene Pkw und Transporter zugelassen, der monatliche Anteil an neu zugelassenen E-Autos beträgt mittlerweile bis zu 60 %. Mehr als 1400 öffentlich zugängliche Ladepunkte gab es bereits 2019 in Oslo, ca. 1900 sollten es Ende 2020 sein. Mittlerweile stehen rund 17.000 Ladestationen in ganz Norwegen zur Verfügung.

Die Anzahl an Elektro-PKW`s in ganz Norwegen betrug Ende 2020 bereits rund 347.000 Fahrzeuge, zusätzlich mit den ca. 143.000 zugelassenen Hybriden entspricht dies mittlerweile einem Anteil von ca. 22% am gesamten PKW-Fahrzeugbestand. Mit diesen Werten an seiner Gesamteinwohnerzahl gemessen, ist Norwegen Spitzenreiter in der E-Mobilität, sowohl im europäischen wie im weltweiten Maßstab.

Auch wenn Norwegen nur etwas über 5,3 Mio Einwohner hat, zeigt es doch, wenn der politische Wille vorhanden ist, die verantwortlichen Akteure sich einig sind und Hand in Hand zusammenarbeiten, kommen Ergebnisse in Echtzeit heraus.







Umstellung bei Schiffen & Fähren auf alternative Antriebe


Fähre "Ampere" mit Elektroantrieb auf dem Sognefjord, Foto: Wikimalte, Lizenz: CC BY-SA 4.0




Sei es die allmähliche Umstellung der vielen Fähren des Landes von Diesel auf Elektroantrieb. Etliche von ihnen verkehren schon mit der neuen Technik. Die nächsten Projekte für neue Fähren mit Wasserstoffantrieb sind in vollem Gang, u.a. eine neue Fähre für den Verkehr zwischen Festland und der Inselgruppe der Lofoten und der weltweit erste emmissionsfreie Massengutfrachter, den die Trondheimer Reederei Egil Ulvan Rederi bauen wird. Mit 88 Meter Länge, kann er außer mit Wasserstoff, bei entsprechenden Bedingungen, auch mit Wind betrieben werden.

Die Schiffe der legendären Hurtigruten werden ab 2021 von Marinediesel auf Elektro-und Gasantrieb umgerüstet. Ab 2026 dürfen dann auch keine Kreuzfahrtschiffe mehr mit Schwerölantrieb, sondern nur noch mit regenerativen Antrieben in die norwegischen Fjorde hineinfahren.


Auch im Flugverkehr möchte Norwegen Vorreiter sein. Widerøe als größte norwegische Inlandsfluggesellschaft hat bereits 2019 mit Rolls Royce einen Vertrag über die Entwicklung eines emmissionsfreien Flugzeugs abgeschlossen. Das gesteckte Ziel ist, dass Widerøe`s Flugzeugflotte bis 2030 zum größten Teil elektrisch fliegen wird.




Energiepositives Bauen


Powerhouse Brattørkaia, Trondheim


Das berühmte Architektur-Büro Snøhetta aus Oslo hat gerade sein viertes energiepositives Gebäude als Teil der Powerhouse-Serie fertiggestellt. Mit dem Bau von Powerhouse Telemark in Porsgrunn wurde ein neuer Standard für den Bau umweltverträglicher Gebäude gesetzt und der jährliche Nettoenergieverbrauch konnte im Vergleich zu ähnlichen Neubauten um 70% gesenkt werden. Das Haus produziert eine jährliche Energiemenge von 256.000 KWh und damit mehr Energie, als es in seiner gesamten Lebensdauer verbrauchen wird.

Andere herausragende Gebäude der derzeitigen Powerhouse-Serie sind Powerhouse Brattørkaia in Trondheim (s. Foto), Powerhouse Drøbak - Montessori ungdomsskole sowie Powerhouse Kjørbo in Sandvika - ein Bürogebäude, welches nach der Totalrenovierung nun einen um über 86% reduzierten Energieverbrauch aufweist als vor dem Umbau. Weitere Infos unter www.powerhouse.no




CO2 - Problematik



Das weltweit erste Demonstrationsprojekt zur Abscheidung, Transport und Speicherung von CO2 in Norwegen wurde vorgestellt und hat im September 2020 grünes Licht von der norwegischen Regierung bekommen. Das Projekt „Langskipet" wurde nach dem Wikingerschiff- Langschiff „Kvalsundskipet" benannt, welches vor 100 Jahren in der Gemeinde Herøy in Møre og Romsdal gefunden wurde. Es ist das größte Klimaprojekt der Norwegischen Industrie aller Zeiten und soll die Ankoppelung anderer CO2-Abscheideanlagen an CO2-Speicher in Norwegen ermöglichen. Das anzuliefernde Gas soll ab 2024 dann durch Rohrleitungen in ein Lagerhaus unter dem Meeresboden gepumpt werden.

Etliche weitere Projekte sind in Planung und Entwicklung, oft auch in Zusammenarbeit mit verschiedenen Ländern innerhalb und außerhalb der EU.


Also, wie man sieht, sind der Tatendrang und die innovativen Ideen der norwegischen Politik und Wirtschaft sehr zielführend und auf einem guten Weg in eine grünere Zukunft.





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